#Depression


<3

Die Sache mit dem Essen.

Fragt man mich welche Fähigkeiten ich als erstes verliere, wenn mir der Antrieb verloren geht, dann wäre die Antwort wohl seit einem Jahrzehnt immer dieselbe. 

1. Duschen nicht als unüberwindbares Hindernis ansehen.
2. Essen zubereiten. 

Wenn man nicht vor die Tür geht, dann ist 1. eigentlich ganz gut zu handhaben. Und dank Trockenshampoo, Deo und genug Schamgefühl vor einem wichtigen (Arzt)Termin dann doch mal unter der Dusche zu verschwinden jetzt auch gar nicht so tragisch, dass es wirklich krasse nachhaltige Auswirkungen hätte. Mal von einem geminderten Wohlbefinden abgesehen.

Punkt 2 ist da schon schwieriger. Sehr viel schwieriger. 

Ich wache in letzter Zeit morgens bereits so hungrig auf, dass mir schlecht ist. Bei meinen Kopfschmerzen bin ich mir nicht immer sicher, ob es Spannungsschmerzen oder Nahrungsmangel ist... (die klar abzugrenzende Migräne mal außen vor gelassen... die bekomme ich unter anderem, weil ich außerdem zu wenig trinke ^^) Und es dürfte wohl allgemein bekannt sein, dass wenn man weniger Nahrung bekommt als man braucht, nicht so leistungsfähig ist wie man gerne wäre. Und dann ist das mit dem Essen zubereiten halt auch direkt wieder schwieriger, weil es einem ja eh schon nicht gut geht. Weil man müde ist. Weil der Tag schon scheiße beginnt, weil man ja... Hunger hat. 

Und wir reden dann hier ziemlich schnell von einem Zustand bei dem "Brötchen aufbacken" unüberwindbar mühsam ist. Wobei das Aufbacken ja noch geht. Aber man muss sie danach aufschneiden, belegen und auch noch essen. Das dauert. Das ist mühsam. Wie soll man sich denn entscheiden wie man die Brötchen belegt? Und das möglichst bevor man verhungert ist?

Also esse ich in den letzten Wochen meistens Müsli. Mehrfach am Tag, weil es schnell geht... und zumindest "Milch in ein Gefäß schütten" auch vom Kaffee trinken her automatisiert ist und ich das auch ohne viel Nachdenken schaffe. ;) Unterbrochen von "Wedges in den Ofen werfen" ... und nein.. ich schneide aktuell nicht mal mehr die Kartoffeln selbst. Ich habe Fertig-Wedges hier. Ich habe theoretisch auch noch Fertigsuppen hier. Aber dafür brauche ich einen Topf. Und den muss ich danach spülen. Und das... geht nicht. 

Am Anfang habe ich wenigstens Montags noch gekocht. Weil da die Beste <3 kommt. Und weil sie nach der Arbeit und vor dem Sport halt was gescheites zu Essen verdient hat und wenn ich mir dafür selbst nicht reiche, dann ist sie halt ein sehr guter Grund sich mal ein wenig anzustrengen. Doch mittlerweile geht das auch nicht mehr und ich esse nur noch vernünftig, wenn sie etwas mitbringt. Und wenn sie das aus Gründen nicht tun kann... dann bestellen wir... und in letzter Zeit haben wir aus genauso guten Gründen dann auch noch häufiger den Sport ausfallen lassen. Ist halt auch schwierig, wenn man ständig Kreislauf hat.... Kreislauf... wie passend. 

Jetzt gerade habe ich solchen Hunger, dass mir schwindelig ist. Im Sitzen. Und ich mitten im Satz den Faden verliere. Und weil mir durchaus bewusst ist, dass Müsli das Problem nicht sonderlich nachhaltig löst und ich eigentlich seit Wochen ständig Hunger habe... habe ich gerade Pizza bestellt. Völlig unabhängig davon, ob das wirklich sinnvoll ist. Ob das finanziell überhaupt drin ist. Kurzfristig hilft es. Die Pizza wird mich im besten Fall für heute lebensfähig machen. Und wenn mir dann nicht mehr schwindelig ist, dann kann ich wieder darüber nachdenken, dass so ein ganz anderer Teufelskreis direkt mitbefeuert wird. 

Ich nehme wieder zu. Denn auch wenn Abnehmen und Gewicht halten mit Depressionen absolut möglich ist, so ist es doch ein wenig anstrengender. Zumindest wenn man bereits aus allen guten Verhaltensweisen raus gefallen ist. Ich kann Gewohnheiten ganz gut einhalten... ich kann aber nur schlecht wieder von vorne anfangen... Und aktuell schon mal gar nicht... *seufz*

Ich habe in den ersten Monaten in diesem Jahr 6kg zugenommen... die dann immerhin 2-3 Monate gehalten... und jetzt innerhalb der letzten 4? 6? Wochen noch mal ein Kilo zugenommen... Und ganz ehrlich? Ich weiß gerade nicht wie ich das aufhalten soll. Ich bin froh, wenn ich überhaupt was esse... Ich kann mir da nicht viel Gedanken drum machen was ich esse. Also stolpere ich sehenden Auges in den Jo-Jo-Effekt... um dann vermutlich allen noch erklären zu dürfen, dass ein Jo-Jo-Effekt im eigentlichen Sinne nicht existiert.... sondern schlicht dadurch zu Stande kommt, dass man die Disziplin verliert und wieder mit sehr sehr schlechten Gewohnheiten anfängt... 

Und jetzt ist dieser Artikel hier fertig... aber meine Pizza noch nicht da. *weint*

Was ich (nicht so) gut kann.

Was ich (nicht so) gut kann.

Weniger perfekt sein, zum Beispiel. Einfach mal ein paar Zeilen hinrotzen ohne zu überlegen ob das jetzt sinnig ist. Das wird vermutlich noch eine Weile dauern bis ich das wirklich kann. Immerhin halte ich es nicht für völlig unwahrscheinlich. ;)

Es gab eine Zeit - irgendwie so 2010 - 2013 - zu der ich täglich gebloggt habe, oder es zumindest versucht habe. Und ich bin auch heute noch davon überzeugt, dass mir das gut getan hat und auch heute gut tun würde. Also warum tue ich es nicht einfach? Ganz klar, weil die Ansprüche gestiegen sind.

Wenn man anfängt sich mit Formatierungen auseinander zu setzen, dann hat man irgendwann auch den Anspruch etwas schön zu machen. Wenn man anfängt darüber nachzudenken, wie man Leser zufriedener machen kann, dann steigt der Anspruch an sich selbst. Und eigentlich hat das freie Bloggen an der Stelle verloren. Das ist mir beim Buchblog schon aufgefallen und zuletzt wollte ich das "über Bücher schreiben" auch nicht mehr "Rezensionen" nennen, da die für mich halt mit einer gewissen Sachlichkeit verbunden sind, die ich selbst nicht mehr liefern wollte. Aber möglicherweise ist das auch Wortklauberei. Dinge auf die Goldwaage legen kann ich gut. Das werden viele Leute bestätigen können. 


Ich arbeite also fleißig vor mich hin. So an mir selbst. Nicht zuletzt auch mit der Betreuung im Hintergrund. Und diese muss nun wieder verlängert werden. Das ist alle 2 Jahre der Fall und man muss dafür viel Papier ausfüllen. Viel Papier. Sehr viel nerviges Papier. Nicht nur, dass man obligatorischerweise seine Finanzen offenlegen muss (irgendwer muss das ja bezahlen), nein es benötigt auch einen Psychiater der bestätigt, dass man wirklich, wirklich einen Schaden hat. Immer noch. Es reicht nicht, dass man die letzten 8 Jahre einen gehabt hat. Der muss immer noch frisch, aktuell und nachweisbar sein. 

Dummerweise habe ich aktuell keinen Psychiater. Meine letzte verließ die Praxis, man teilte mir eine Neurologin zu, die nun in Mutterschutz ist und der Neurologe der sie jetzt ersetzt, war zwar sehr gut im "B12-Mangel diagnostizieren" und ist auch willig mir Rezepte auszustellen, sagte aber nun mal auch, dass es nicht so weiter geht und ich einen Psychiater brauche. Nun brauche ich den jetzt schon aus zwei Gründen & meine Motivation mir mal wieder einen neuen Ansprechpartner zu suchen (Ich hab übrigens kein Interesse daran hier jeden Begriff zu gendern. Sorry. Nein. Wirklich nicht. Ich würde auch eine Psychiaterin oder eine Ansprechpartnerin nehmen. Eine Therapeutin allerdings nicht. Das sollte schon ein Mann sein. Einfach aus Erfahrung.) ist halt eher so unter Null. Es ist mühsam immer und immer wieder die eigene Geschichte zu erzählen, aufzudröseln, dass man im Laufe der Zeit viele, viele Diagnosen gehört hat, aber mit den wenigsten konform geht, dafür aber 1-2 Schubladen für wichtig hält, die sonst keiner relevant findet und eigentlich generell eher weniger reden will. ^^

Genauso mühsam ist es diesen Antrag auszufüllen. Denn da muss man sich selbst sezieren und das ist anstrengend. Das macht Brei im Kopf. Da werden Fragen dazu gestellt wie das aktuelle Leben gerade so aussieht und zwar im Bezug auf Wohnen, Arbeit, soziale Beziehungen und Freizeit und was einem auch immer sonst noch wichtig ist. Und dann wird man auch gefragt wie man denn leben möchte. Wieder mit all den oben genannten Aspekten im Hinterkopf. Und ich bin mir sehr sicher, dass das auch gesunde Menschen mitunter anstrengend und mühsam finden. Jeden einzelnen Lebensbereich zu beleuchten, drüber nach zu denken was daran gut ist und was nicht und was man so nicht mehr möchte. Vielleicht ist es bei gesunden Menschen nur nicht ganz so deprimierend. Also im besten Fall. 

Wenn man das dann so gegenüber gestellt hat, dann stellt sich halt die Frage warum es eine Diskrepanz gibt. Warum ist die Wirklichkeit so weit vom Wunsch entfernt? Was genau hindert einen daran das Wunschleben zu erreichen? Und dann ist man eben ziemlich ungeschönt schnell bei all den Defiziten die man so hat. Denn um die soll es ja auch gehen. Die Defizite, bei denen die Betreuung dann hilfreich zur Seite stehen kann um sie auszugleichen. Im Idealfall langfristig, so dass es irgendwann keine Defizite mehr sind. 

Im Gegensatz zu vielen anderen bin ich mir meiner Defizite voll bewusst. Ich weiß sehr gut was ich nicht kann. Zum Beispiel bin ich sehr, sehr schlecht darin zu erkennen was ich kann. :D Oder zu begreifen, dass es Menschen gibt die mich so wie ich bin voll in Ordnung finden. Das kann ich nicht sonderlich gut. 

Ich kann schlecht mit Anforderungen und Erwartungen umgehen, oder mehrere Dinge auf einmal erledigen. Ich kann nicht alleine mit Jobcenter und Hausverwaltung umgehen. Ich habe Angst vor den Menschen, die Einfluss auf mein Leben und Wohnen haben. Telefonate gelingen mir nur wenn ich den Gesprächspartner kenne, Zahnarztbesuche sind tagesabhängig. 

Wenn ich einen vollen Tag hatte, bin ich danach meistens die doppelte Zeit völlig erschlagen und müde. Mehr als 3 Tage in der Woche kann ich mir nicht mit Terminen voll packen, weil ich sonst nicht mehr regenerieren kann und irgendwann in totalem Rückzug und erschöpft zusammenbreche. Das weiß ich. Das muss ich bei all meiner Planung beachten. Und ja, das trifft leider auch zu, wenn es enge Freunde sind und ich die Kontakte frei wähle.


Und manchmal, da sehe ich das alles nicht ein, will unbedingt unter allen Umständen soviel schaffen, wie "normale" Menschen auch schaffen und überfordere mich. Auf mich achten kann ich also auch nicht immer so wirklich gut. ;)

Aber dann gibt es auch die Momente... die Wochen... die Phasen in denen ich fast "normal" bin. Und ja, ich finde "normal" einen durchaus schwierigen Begriff, aber mir fehlt irgendwie eine brauchbare Alternative. Da funktioniere ich. Da läuft der Haushalt, da ist es hier aufgeräumt und da habe ich alles im Griff. Alles abgesehen von Arbeit. Und Uni. Und ganz ehrlich? Das ist doch auch schon schön, oder? Und vllt. ist das mein maximal Status. Vielleicht kann ich nicht mehr und werde nie mehr können. Und dann ist das auch echt okay. (Das ist allerdings Stoff für einen eigenen Beitrag...)
Nur, dass dieser Status nie von Dauer sein wird, solange Jobcenter und Hausverwaltung mich immer wieder in Panik versetzen. Denn dann bricht alles zusammen und ja... dann werden auch so Kleinigkeiten wie "Duschen" und "Aufstehen" zur Höchstleistung...

Und deswegen fülle ich halt Anträge aus.... und seziere mich selbst, damit da jemand nach Aktenlage entscheidet, dass ich offensichtlich (erst mal) Hilfe brauche.