Ich behaupte jetzt mal, dass die meisten meiner Leser und Bekannten durchaus wissen, dass man nicht geheilt aus einem (teil)stationären Aufenthalt kommt. Man hat nur ein wenig mehr Rüstzeug und vielleicht ein besseres Gefühl im Umgang mit sich selbst. Ein klein wenig mehr Selbstwert. Ein paar Fähigkeiten gefestigt oder dazu gewonnen. Vielleicht weiß man besser wo man hin will, oder jedenfalls was man nicht mehr (will). Manche Dinge ändern sich definitiv nicht. Ich wusste nämlich nicht mehr, dass ich euch einen Großteil des "Danachs" bereits letzte Woche erzählt habe. :D

In jedem Fall bleibt aber auch nach der Klinik eine Menge zu tun. Und ich versuche irgendwie die Balance und den Mittelweg zu finden. 
Aktuell versuche ich die meisten Verpflichtungen auf die Montage und Dienstage zu legen , habe Mittwoch - Freitag (menschen)frei und am Wochenende dann diverse Verabredungen. So zumindest der Plan. Klappt natürlich nicht immer, weil sich nicht alle Termine so legen lassen wie ich das gerne hätte.


Am Montag hatte ich das zweite Gespräch mit der Therapeutin und wir haben uns darauf geeinigt zusammen zu arbeiten. Da ich ab nächste Woche erst mal unterwegs bin ist der nächste Termin erst Anfang Juni. (An einem Mittwoch. Klappt also in der Woche schon mal nicht mit meiner Taktik. :D) Die nächsten 3 Termine sind quasi noch Vorgespräche, danach beantragen wir dann die Therapie. 


Neben der Therapiesuche, wurden noch einige andere bürokratische Angelegenheiten in die Wege geleitet. Das ist im Nachhinein wohl auch tatsächlich der Bereich in dem während der Therapie am meisten geschehen ist. 

Aus der Klinik heraus habe ich einen Antrag auf Schwerbehinderung gestellt. Allein durch die psychischen Einschränkungen und Diagnosen habe ich bereits die Chance auf ein paar Prozente. Der Antrag ging im April raus, gestern kam die Bestätigung, dass es etwa 3 Monate Bearbeitungszeit dauern wird. Ich habe noch ein paar körperliche Dinge (Tinnitus, Migräne, Hashimoto, etc.) die man auch bewerten lassen kann. Dafür muss die jeweilige Krankheit allerdings seit 6 Monaten behandlungsbedürftig notiert sein. Mein Tinnitus begleitet mich zwar schon sehr lange, jedoch dürfte das lediglich bei einem Arzt in Jena - dessen Namen ich nicht mehr kenne - vermerkt sein. Also war ich letzte Woche bei einem neuen HNO und habe ausgiebig über Tinnitus und die Optionen geredet. Letztere sind relativ eingeschränkt. Im Endeffekt läuft es auf Entspannung & Stressverminderung hinaus. Es gibt in Berlin (oder Jena... aber das ziehe ich nicht in Erwägung) ein Tinnituszentrum. Die Behandlungsdauer umfasst dabei eine Woche Tagesklinik. Das ist jetzt nichts für die nahe Zukunft, aber ich werde es im Hinterkopf behalten. Mein HNO würde mir dafür alles schreiben was ich zur Beantragung und Bewilligung benötige. Die Migräne ist seit November erfasst. Beides werde ich irgendwann in einem Verschlimmerungsantrag beurteilen lassen. 


Was ich bisher auch in der Hand habe: Ein Schreiben in dem von ärztlicher Seite aus empfohlen wird, die schädliche Wohnumgebung zu verlassen. Die Hoffnung dabei ist, dass das Jobcenter sich nicht offiziell gegen ärztlichen Rat stellen wird und es mir ermöglicht wird wieder auf Wohnungssuche zu gehen. Auch mein Psychiater hat gesagt, dass er mir alles schreibt was ich benötigen werde. Bevor wir das aber in die Wege leiten, warten wir erst mal den offiziellen Abschlussbericht aus der Klinik ab. In dem es dann unter anderem um die Frage meiner langfristigen Belastbarkeit geht. 

Ich habe ausgiebig drüber nachgedacht, welche Angebote ich von diversen Kontaktcentern in Erwägung ziehe und bin dann zu dem Schluss geokmmen, dass da außer der Strickgruppe nichts ist was ich wirklich wichtig finde. Die privat organisierte Strickgruppe bereitet mir aktuell immer noch ein wenig Kopfzerbrechen. Ich hab bereits das Gefühl da außen vor zu stehen. Von neuen Terminen erfahre ich so nebenbei, man fragt mich eine Stunde vorher, ob ich denn auch zum Schwimmen komme, als würde man davon ausgehen, dass ich davon wüsste. Es ist mühsam. Und vielleicht bin ich für Kontakte außerhalb meiner kleinen <3-Bubble auch einfach nicht gemacht. 

Die nächsten Tage werden ruhig. Ich hab bis Samstag keine Verpflichtungen. Am Samstag stehen ein Escape Room und die Grandprix-"Party" auf dem Programm. Sonntag und Montag habe ich dann Zeit zum Packen. Dienstag früh geht es für 12 Tage nach Bamberg. Zur Anna und ihrer Familie. (Alte! Ende des Jahres sind es 16! Jahre!) Es wird hoffentlich entspannt, auch wenn ich mir sowas wie Entspannung gerade nur schlecht vorstellen kann. Innerlich rotiere ich halt und möchte vieles auf einmal erledigen und nur wenig ist davon zu erledigen, wenn man nicht zu Hause ist. Tatsächlich ist es aber nicht Nichts, weil ich durchaus auch einige Bücher durcharbeiten wollen würde. Aber selbst dafür fehlt mir die (innere) Ruhe. Allen voran steht halt immer noch das Ausmisten. Ich bin noch nicht fertig damit. Vielleicht schaffe ich die nächsten Tage ja was.