Morgen muss ich in dieses Draußen und ich mag nicht. Und weil ich nicht mag, mag ich jetzt auch nicht ins Bett gehen, weil dann ist ja Morgen. Aber je länger ich wach bleibe desto schlechter wird meine Laune. Das mag ich auch nicht. 

Also drehe ich mich noch ein wenig im Kreis, tue so als würde ich irgendwelche Dinge tun und daddel im Endeffekt ja doch nur am Handy. Immerhin Rätsel ich. Ich kann mir also einbilden etwas für meine grauen Zellen zu tun. 


Ich hab morgen das erste Mal seit 4 Monaten wieder Therapie. Und ich mag auch das nicht. Nicht nur, dass die Situation mit Mundschutz halt einfach merkwürdig und ungemütlich sein wird. Nein, ich muss ihr auch irgendwie vermitteln, dass ich mich nicht therapiert fühle. "Erst mal kennen lernen.", dachte ich. Die Anamnese zieht sich jetzt aber schon eine ganze Weile hin. Aus den Gruppensitzungen ziehe ich irgendwie nichts. Sie deprimieren mich eher, weil alle weiter sind.  Oder einfach grundsätzlich woanders stehen. Sie sind gesünder. Sie reden von einem "Vorher", während mein "Vorher" einfach verschwimmt oder gar nicht existiert. Vielleicht war meins tatsächlich nur dieses halbe Jahr, bevor ich "ihm" vorgestellt wurde, mich selbst verlor und direkt wieder leise wurde. Ein halbes Jahr nachdem ich gerade irgendwie bei mir selbst angekommen war. Das ist in 3 Wochen 18 Jahre her. Mein halbes Leben.  Und gefühlt bin ich nie von der Stelle gekommen, stecke immer noch da fest, während die Zeit einfach an mir vorbei rennt. Mein halbes Leben Leerlauf ohne nennenswert voran zu kommen. Und nichts was wirklich hilft. 

Immer nur die Hoffnung, dass diese Therapie jetzt etwas bringt. Irgendeine Weiche stellt, nach der sich alles zurecht ruckelt. Ich kann ohne Probleme anderen zur Therapie raten. Kann Dinge aufzählen die sich verbessern können und durchaus auch für mich Erfolge finden. Ich glaube daran, dass Therapie helfen kann. Ich bin nur nicht sicher, ob das auch für mich zählt. Ob da wirklich noch genug zu retten ist um alles zu einem ganzen Bild zu ruckeln. Oder ob da immer Lücken bleiben werden die dafür sorgen, dass es kein vollständiges Bild wird. Weil man 18 Jahre nicht mehr aufholen kann.

Wie oft habe ich mir schon eine Resettaste gewünscht um so vieles anders zu machen. Wie gerne wäre ich eine völlig andere Person. Eine Person die nicht morgen irgendwie ihrer Therapeutin vermitteln sollte, dass es irgendwie nicht passt. Dass es sich nicht richtig anfühlt. Weil die Gruppen es schlimmer machen, die Einzel zu selten stattfinden, es sich wie eine ewige Anamnese Schleife anfühlt und ich in meinem Kopf schon Witze darüber mache, dass sie nächstes Jahr direkt wieder im Mutterschutz ist. Klar, jetzt ist Pandemie. Jetzt wird vermutlich nirgendwo gescheit Therapie stattfinden und zu dieser Zeit wieder mit dem Telefonieren anzufangen dürfte auch aussichtslos sein. Aber so geht es nicht. So bleibe ich einfach weiter im Leerlauf.