Fragt man mich welche Fähigkeiten ich als erstes verliere, wenn mir der Antrieb verloren geht, dann wäre die Antwort wohl seit einem Jahrzehnt immer dieselbe. 

1. Duschen nicht als unüberwindbares Hindernis ansehen.
2. Essen zubereiten. 

Wenn man nicht vor die Tür geht, dann ist 1. eigentlich ganz gut zu handhaben. Und dank Trockenshampoo, Deo und genug Schamgefühl vor einem wichtigen (Arzt)Termin dann doch mal unter der Dusche zu verschwinden jetzt auch gar nicht so tragisch, dass es wirklich krasse nachhaltige Auswirkungen hätte. Mal von einem geminderten Wohlbefinden abgesehen.

Punkt 2 ist da schon schwieriger. Sehr viel schwieriger. 

Ich wache in letzter Zeit morgens bereits so hungrig auf, dass mir schlecht ist. Bei meinen Kopfschmerzen bin ich mir nicht immer sicher, ob es Spannungsschmerzen oder Nahrungsmangel ist... (die klar abzugrenzende Migräne mal außen vor gelassen... die bekomme ich unter anderem, weil ich außerdem zu wenig trinke ^^) Und es dürfte wohl allgemein bekannt sein, dass wenn man weniger Nahrung bekommt als man braucht, nicht so leistungsfähig ist wie man gerne wäre. Und dann ist das mit dem Essen zubereiten halt auch direkt wieder schwieriger, weil es einem ja eh schon nicht gut geht. Weil man müde ist. Weil der Tag schon scheiße beginnt, weil man ja... Hunger hat. 

Und wir reden dann hier ziemlich schnell von einem Zustand bei dem "Brötchen aufbacken" unüberwindbar mühsam ist. Wobei das Aufbacken ja noch geht. Aber man muss sie danach aufschneiden, belegen und auch noch essen. Das dauert. Das ist mühsam. Wie soll man sich denn entscheiden wie man die Brötchen belegt? Und das möglichst bevor man verhungert ist?

Also esse ich in den letzten Wochen meistens Müsli. Mehrfach am Tag, weil es schnell geht... und zumindest "Milch in ein Gefäß schütten" auch vom Kaffee trinken her automatisiert ist und ich das auch ohne viel Nachdenken schaffe. ;) Unterbrochen von "Wedges in den Ofen werfen" ... und nein.. ich schneide aktuell nicht mal mehr die Kartoffeln selbst. Ich habe Fertig-Wedges hier. Ich habe theoretisch auch noch Fertigsuppen hier. Aber dafür brauche ich einen Topf. Und den muss ich danach spülen. Und das... geht nicht. 

Am Anfang habe ich wenigstens Montags noch gekocht. Weil da die Beste <3 kommt. Und weil sie nach der Arbeit und vor dem Sport halt was gescheites zu Essen verdient hat und wenn ich mir dafür selbst nicht reiche, dann ist sie halt ein sehr guter Grund sich mal ein wenig anzustrengen. Doch mittlerweile geht das auch nicht mehr und ich esse nur noch vernünftig, wenn sie etwas mitbringt. Und wenn sie das aus Gründen nicht tun kann... dann bestellen wir... und in letzter Zeit haben wir aus genauso guten Gründen dann auch noch häufiger den Sport ausfallen lassen. Ist halt auch schwierig, wenn man ständig Kreislauf hat.... Kreislauf... wie passend. 

Jetzt gerade habe ich solchen Hunger, dass mir schwindelig ist. Im Sitzen. Und ich mitten im Satz den Faden verliere. Und weil mir durchaus bewusst ist, dass Müsli das Problem nicht sonderlich nachhaltig löst und ich eigentlich seit Wochen ständig Hunger habe... habe ich gerade Pizza bestellt. Völlig unabhängig davon, ob das wirklich sinnvoll ist. Ob das finanziell überhaupt drin ist. Kurzfristig hilft es. Die Pizza wird mich im besten Fall für heute lebensfähig machen. Und wenn mir dann nicht mehr schwindelig ist, dann kann ich wieder darüber nachdenken, dass so ein ganz anderer Teufelskreis direkt mitbefeuert wird. 

Ich nehme wieder zu. Denn auch wenn Abnehmen und Gewicht halten mit Depressionen absolut möglich ist, so ist es doch ein wenig anstrengender. Zumindest wenn man bereits aus allen guten Verhaltensweisen raus gefallen ist. Ich kann Gewohnheiten ganz gut einhalten... ich kann aber nur schlecht wieder von vorne anfangen... Und aktuell schon mal gar nicht... *seufz*

Ich habe in den ersten Monaten in diesem Jahr 6kg zugenommen... die dann immerhin 2-3 Monate gehalten... und jetzt innerhalb der letzten 4? 6? Wochen noch mal ein Kilo zugenommen... Und ganz ehrlich? Ich weiß gerade nicht wie ich das aufhalten soll. Ich bin froh, wenn ich überhaupt was esse... Ich kann mir da nicht viel Gedanken drum machen was ich esse. Also stolpere ich sehenden Auges in den Jo-Jo-Effekt... um dann vermutlich allen noch erklären zu dürfen, dass ein Jo-Jo-Effekt im eigentlichen Sinne nicht existiert.... sondern schlicht dadurch zu Stande kommt, dass man die Disziplin verliert und wieder mit sehr sehr schlechten Gewohnheiten anfängt... 

Und jetzt ist dieser Artikel hier fertig... aber meine Pizza noch nicht da. *weint*