Fangen wir da an wo wir beim letzten kurzen Aufflackern Ende März aufgehört haben. Mitten in der Reha. Da das ganze nun auch schon wieder 3 Monate her ist, hangle ich mich mal am letzten Artikel entlang.... fange aber mit dem Ende der Reha an. 

Wie unschwer selbst herauszufinden ist (falls man es nicht dem Reha #2 entnommen hat)... So eine Reha die irgendwann im März angefangen hat.... liegt mitten im Corona-Lockdown. Die Klinik war sehr bemüht das die ganze Zeit sehr großartig zu bewerkstelligen, doch an vielen Ecken krankte es dann doch ein wenig. Ein Teil lässt sich auf menschlisches (Patienten) Versagen zurückführen. Manches war aber auch strukturell. Z.B. wurden eine ganze Zeit lang noch viel zu große Gruppen in viel zu kleinen Räumen untergebracht und geführt. Da war zwischen den Stühlen schlicht keine Option sich weit auseinander zu setzen und von den Aerosolen wurde einfach noch gar nicht gesprochen. Masken wurden 2 Tage vor Abreise verteilt.

Da es ein generelles Besuchsverbot gab, war man ja auch irgendwie sicher, solange nichts von Außen rein getragen worden ist. Von Patientenseite aus lässt sich nicht verfolgen wie der/die/das Virus jetzt den Weg zu uns gefunden hat. Es kamen bis eine Woche vor Ende noch neue Patienten, die eher halbherzig untersucht worden sind. Asymptotisch Infizierte konnten da definitiv durch rutschen. Auch waren wir nicht eingesperrt und konnten in die kleine Stadt runter und das wurde von vielen auch zum Einkauf genutzt. (Mehr ging da ja nicht mehr.. weil alles zu :D) 

Theoretisch hätte es aber vielleicht trotzdem funktionieren können. Wenn die Mitmenschen sich an die Abstandsregeln gehalten hätten, das Desinfektionszeug vorm Speisesaal auch regelmäßig genutzt worden wäre und es nicht generell einfach nur entweder "Total belächeln" oder "Totale Panik" gegeben hätte. Die Kommunikation von Seiten der Klinik wie es weiter geht war grottig, aber das lag im Endeffekt an einer bestimmten offiziellen Person und nach einem Drama nach aufkochender Gerüchteküche wurde unser "Lieber unsichere Informationen als gar keine" auch ernst genommen und wir wurden zumindest die letzten Tage auf dem Laufenden gehalten. 

Mit der Zeit tauchten immer mehr Isolationszimmer auf. Das heißt es hingen Schilder an der Tür, dass die Räume nur noch vom Personal und mit diverser Schutzkleidung zu betreten waren. Isoliert wurde man, wenn man Symptome hatte. Vor Ort getestet wurde glaub ich nur eine Person. Alle anderen wurden nach Hause in Quarantäne geschickt. Einige reisten auch auf eigenem Wunsch (ohne Konsequenzen) frühzeitig ab. Kurz vor Schluss gab es Probleme mit dem Gesundheitsamt und es wurde verboten abzureisen bis neue Informationen vorliegen würden.

Meine Reha hätte bis zum 27.04. dauern sollen. Ich wollte am 14.04. eine eventuelle Verlängerung ansprechen, da das Haus mittlerweile recht leer war. An eben diesem Tag kam morgens eine Durchsage, dass der Bereich Psychosomatik komplett geräumt wird und wir alle innerhalb der nächsten 2 Tage abzureisen haben. Programm gab es nicht mehr. Zu dem Zeitpunkt gab es irgendwas um die 7-9 bestätigte Fälle. Alle erst zuhause diagnostiziert, zum Großteil vorher aber isoliert. 

Wir wurden nach Hause geschickt. Offiziell in Quarantäne. Da wir nicht mehr mit Bus und Bahn reisen durften, war mein riesiges Glück, dass mich ein Mitpatient aus dem Sauerland tatsächlich bis nach Hause gefahren hat. Einen Teil meines Gepäcks hab ich mir hinterher schicken lassen.  Die letzten beiden Tage waren also wirklich stressig. Die Reha dauerte nur 4 statt  5 Wochen und es gab keine wirklichen Abschlussgespräche. Alle Mitarbeiter wurden ebenso in Quarantäne geschickt. Dementsprechend dauerte es auch bis ich meinen ausführlichen Abschlussbericht bekam. 

Ich kann euch sagen: Quarantäne macht keinen Spaß. Selbst für Menschen die gar nicht mal so gerne raus gehen. Nein, macht keinen Spaß. Ich durfte nämlich nicht mal alleine zum Briefkasten oder den Müll runter bringen. Meine Einkäufe mussten andere erledigen. Zum Glück konnte ich das auch über die Betreuung regeln. Sie ist dann für mich einkaufen gegangen und weil sie sich die Zeit abrechnen lassen konnte fühlte sich das nur halb so schlimm an. Ich brauch es aber ehrlich gesagt nicht noch mal. Einmal Verdachtsperson reicht mir. Getestet wurden wir übrigens nicht. Keine Symptome. Kein Test. Nur brav zu Hause bleiben und jeden Tag mit dem Gesundheitsamt telefonieren. Telefonieren. So großartig. ^^

Hat der ganze Stress denn auch was gebracht?

Ja. Definitiv. 

Mit dem plötzlichen Ende kann ich allerdings nicht sagen, dass der Aufenthalt mich entspannt hätte und ich sonderlich ruhig geworden wäre. Das waren im Endeffekt vielleicht 2-3 Tage an denen ich das Gefühl hatte endlich angekommen zu sein... dann gab es die Aufregung um das Abreiseverbot, 4 Tage später die Ansage abzureisen und dann halt 2 Tage packen und Dinge organisieren. Das ist in sofern schade, weil ich diese Klinik wirklich empfehlen kann. Ich war dort trotz der Umstände sehr zufrieden und 99% der Aufreger hatten mit Mitpatienten zu tun und nicht mit Mitarbeitern. 

Was nachhaltig definitiv sehr gut getan hat?

Ich wurde vom ersten bis zum letzten Tag ernst genommen. Es wurden natürlich durchaus auch kritische Fragen gestellt, aber im Endeffekt wurde mir immer geglaubt. Ich wurde immer als mündiger Mensch behandelt und nie als "Bescheuerte". Man konnte wirklich ohne Konsequenzen sagen, dass einem eine Sache nicht gut tut und musste dann auch nicht wieder hin. Es wurde immer versucht eine Lösung zu finden. "Sie wollen nicht in die Depressionsgruppe? Wir gucken, ob in der KBT noch Platz ist..." War leider nicht... bzw. kollidierte mit der Gruppe zu der ich musste....aber die Ärztin telefonierte sofort selbst rum um das zu klären. Es war so gut mal wie ein Mensch behandelt zu werden. Alle wollten unterstützen, niemand einem etwas vorschreiben. 

Mein erster Therapeut. Leider ging der mittendrin in Urlaub und ein Abschlussgespräch gab es auch nicht mehr. Aber er hat mich in jedem der sehr wenigen Gespräche so aus der Bahn geworfen und so viel hoch geholt, dass ich tatsächlich überlege mir anstelle meiner Verhaltenstherapeutin einen Tiefenpsychologen zu suchen. Nach Corona. 
Außerdem hat er etwas nahezu gebetsmühlenartig gesagt und es hat sich - obwohl ich das natürlich vorher schon wusste - nachhaltig eingebrannt. Ich muss gar Nichts. Selbst wenn es bei der ein oder anderen Sache Konsequenzen hageln würde. Ich muss Nichts. Ich kann mich immer frei entscheiden. Und in meinem Leben gibt es wenig Dinge die nahtlos mit Konsequenzen winken. Ich muss also auch recht wenig. 

Dieses "Sie müssen gar Nichts!" schwebt in meinem Kopf und ich stelle mir manchmal vor wie er auf meiner Schulter sitzt und das zu mir sagt. Seinen Tonfall im Kopf. Das beruhigt mich tatsächlich immer mal wieder sehr. 

Die Atemtherapie. Der wirklich sehr schnucklige Sportlehrer erzählte in der letzten Gruppe vor dem Ende von einer Philosophie die ungefähr Folgendes besagt: Ein Mensch hat nur eine bestimmte Anzahl Atemzüge während er lebt. Wenn diese nur flach und hektisch sind, dann verschwendet man sie und nutzt nicht alles was an Möglichkeit / Leben da wäre.  Ich atme die meiste Zeit tatsächlich so flach, dass mir schwindelig wurde, wenn ich wirklich mal sehr tief eingeatmet habe. Aber ich denke seit diesem letzten Termin immer häufiger daran mal tief einzuatmen. Da ist noch längst keine Regelmäßigkeit erreicht, aber mir wird auch nicht mehr schwindelig. 

Der Abschlussbericht ist ein Traum. Ich habe noch nie einen so großartigen Arztbericht gelesen. 
Rein nüchtern betrachtet komm ich da bei der Bewertung nicht so gut weg. Ich bin schon ein echtes Wrack. Innerlich und Äußerlich. Aber das Wunderbare? Endlich sehe nicht nur ich das. Es wird sogar bestätigt, dass meine Selbsteinschätzung den Tatsachen entspricht und sie mich genauso wahrnehmen wie ich mich selbst. Nach so vielen Jahren immer wieder und wieder rechtfertigen müssen, stimmt man mir endlich zu. Natürlich haben auch diese Ärzte und Therapeuten festgestellt, dass ich jung und schlau bin und viel Potenzial habe. Aber sie haben eben auch erkannt, dass die Belastbarkeit nicht gegeben ist. Ebenso, dass ich nicht willentlich in der Lage bin an der Situation etwas zu ändern. Also kein "Sie könnte, wenn sie wollte und sich anstrengen würde!" ! Im Gegenteil, es wurde geschrieben, dass ich alle möglichen Optionen durchgegangen bin und sie probiert habe. 
Im Endeffekt wird in diesem Brief gesagt, dass ich nicht in der Verfassung bin um meine bisherige / frühere Arbeit auszuführen. Und da das in meinem Fall nur ein paar 1€ Jobs sind... und es darunter nichts Offizielles existiert bin ich (vorerst) abschließend als arbeitsunfähig bewertet. 

Warum ich das "vorerst" in Klammern setze? Auch die Klinik hat sich damit schwer getan das endgültig zu bewerten. Weil.... ihr ahnt es vielleicht... ich so jung bin. (ALTER! Mit bald 36 bin ich jetzt auch kein junger Hüpfer mehr...) So schlau und so viel Potenzial habe. *seufzt* Sie sehen zwar, dass es aktuell definitiv nicht geht, wünschen sich aber eigentlich eine befristete "Berentung" und eine Neubewertung nach dem Ende der Befristung. Damit kann ich aber auch ganz gut leben. Ich fühle mich von diesem Bericht wirklich sehr gut meiner Persönlichkeit entsprechend dargestellt. 

Das heutige Coverbild hat die liebe Frau Mondgesicht gelettert. :)